Fernab und doch nah dran

Von links nach rechts: Prof. Dr. Gregor Lux, Thomas Kollakowsky und Adrian Janesik stellten bei einer Bildungskonferenz im Gelsenkirchener Wissenschaftspark das Projekt „aVRika“ vor, eine Masterarbeit von Alessandro Wawer, der die afrikanische Bildungsrealität in eine virtuelle Umgebung übertragen hat. Seine Arbeit selbst vorstellen konnte Wawer nicht, da er nach seinem Masterabschluss bereits bei einem Bonner Unternehmen arbeitet. Foto: WH/BL

Eine Konferenz der Förderinitiative „Internationalisierung der Berufsbildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung stellte im November die „Digitalisierung der internationalen Berufsbildung“ in den Mittelpunkt. Organisiert wurde die Konferenz vom FIAP, einem gemeinnützigen Forschungsinstitut für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention im Gelsenkirchener Wissenschaftspark. Die Gelsenkirchener Fachgruppe Informatik der Westfälischen Hochschule stellte dabei ein Projekt vor, das Master-Absolvent Alessandro Wawer als Abschlussarbeit in virtueller Realität programmiert hat und das die Sensibilisierung für die Bildungssituation in Kenia zum Thema hatte.

(BL) Die Idee zu dieser Arbeit brachte Erstprüferin Prof. Katja Becker von einer Konferenz der Organisation „Unleash“ mit, die Ideen zur Nachhaltigkeitsentwicklung auslösen will und bei der die Vereinten Nationen mit mehreren ihrer Institutionen Partner sind. Bildungsentwicklungsprojekte in Afrika setzen voraus, dass sich Jurys und Komitees bei internationalen Projektträgern ein Bild von der Vor-Ort-Lage machen. Das tun sie, indem sie Tabellen lesen, Grafiken betrachten, Statistiken auswerten, eine Entscheidung nach Papierlage. Oder sie fliegen hin. Aber das ist weder klimafreundlich noch billig, sodass die Kosten dafür von den Mitteln abgehen, die eigentlich der Förderung gelten sollten.

Alessandro Wawer hat sich eine Lösung ausgedacht, bei der Entscheider sich virtuell ein Bild von der Vor-Ort-Situation machen können. Dazu informierte er sich über Schulsysteme in Kenia und entwickelte einen virtuellen, aber realitätsnahen Gang durch ein afrikanisches Dorf, auf dem Weg zu Schule, durch die Ausbildungsräume mit ihrer Ausstattung und Versorgung. Im Gegensatz zu einer Beurteilung „nach Papierlage“ taucht der Nutzer dabei virtuell in die tatsächliche Situation eines Schülers ein und kann sich so in dessen Gefühlswelt hineintasten. Prof. Dr. Gregor Lux, der das Projekt mit Namen „aVRika“ gemeinsam mit Mitarbeiter Thomas Kollakowsky und Student Adrian Janesik auf der Bildungskonferenz im Wissenschaftspark Gelsenkirchen vorstellte, beschreibt das als „immersive Erfahrung“, ein Begriff, der ursprünglich aus der Spieleprogrammierung kommt und bedeutet, dass der Anwender die reale Welt um sich herum vergisst und komplett ins Spiel eintaucht. Die virtuelle Umgebung soll für die Dauer der Nutzung zur Primär-Realität werden.