Wenn Frauen führen

Allein unter Frauen war Präsident Prof. Dr. Bernd Kriegesmann (hinten links) nur bei der anfänglichen Podiumsdiskussion, die er mit Prof. Dr. Julia Frohne, Janna Prager von „Impact Hub Ruhrgebiet“ und der Gleichstellungsbeauftragten Alina Zickmann (von links) zum Thema „Frauen in der Arbeitswelt und in Führungspositionen“ sowie zu der Frage, ob Frauen anders führen, leitete. Danach waren die Frauen unter sich. Foto: WH/BL

Erstmalig bot die Westfälische Hochschule im Auftrag der Gleichstellungskommission ein zweitägiges Seminar an, dessen Ziel es war, Studentinnen an Aufgaben einer Führungsposition heranzuführen und ihnen das Handwerkszeug für eine Stelle mit Führungsverantwortung mitzugeben. Das Seminar führten Prof. Dr. Julia Frohne von der Gelsenkirchener Fachgruppe „Journalismus und Public Relations“ sowie Janna Prager und Ulrike Trenz von „Impact Hub Ruhr“ durch, einem Innovationslabor und Coworking-Space in Essen, die Teil eines weltweiten Social-Entrepreneurship-Netzwerks sind.

Nach einer einführenden Podiumsdiskussion zu den Themen, ob Frauen anders führen als Männer und wie die aktuelle Lage von Frauen in der Arbeitswelt und in Führungspositionen ist, startete das Seminar durch. Die knapp 20 Teilnehmerinnen wurden von Coach Franziska Weir in die Welt der Führungspersönlichkeit mitgenommen. Dort wurden sowohl die Rollen und Aufgaben einer Führungskraft erörtert als auch die Eigenschaften, die eine moderne Führung ausmachen. Auch die Herausforderungen als Führungskraft in multigenerationalen Teams sowie zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu stehen wurden besprochen. Praxisbeispiele hatte Weir aus ihrer eigenen Berufskarriere reichlich dabei und auch die Teilnehmerinnen konnten sich immer wieder einbringen. Das war auch bei dem Thema „Auftreten als Führungskraft“ von Vorteil, bei dem Weir aus ihren Erfahrungen weitergeben konnte, wie wichtig ein Netzwerk ist, wie man sicher auftritt und was die Körperhaltung damit zu tun hat.

Bei Wirtschaftspsychologin und Trainerin Britta Marek ging es danach weiter mit der Persönlichkeitsentwicklung und den Stärken der Studentinnen, die unter anderem eine berufliche Vision für sich erarbeiteten. Das Thema Self-Leadership durfte nicht fehlen: Die  Teilnehmerinnen erfuhren, wie sie Prioritäten setzen, sowohl beruflich als auch privat, wie sie Überlastungen vorbeugen können und der Perfektionsfalle entgehen.

Wenn man mit Menschen arbeitet und vor allem, wenn man ein Team leitet, ist Kommunikation essenziell. Deshalb enthielt der Workshop auch einen großen Block zu diesem Thema. Kommunikationsexpertin Melanie Dahl stellte die Grundlagen der gewaltfreien Kommunikation vor und ließ die Teilnehmerinnen das Gelernte direkt umsetzen. Danach standen Grundlagen der Verhandlungstaktik auf dem Programm.

Der zweite Tag widmete sich zwei alternativen Themen: Franziska Kohn begleitet Unternehmen mit ihrer Beratungsagentur „UnityEffect“ dabei ihre Unternehmenskultur zu verändern und dabei die Mitarbeitenden sowie den Sinn in den Mittelpunkt zu stellen. Darum ging es auch in ihrem Workshopteil. Die Gruppe ging der Frage nach, was Unternehmenskultur ist und wie sie die Arbeit der Menschen in einem Unternehmen beeinflusst. Ethik und die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf waren ebenso Workshop-Bestandteile. Parallel ging es bei Britta Marek um Team- und Mitarbeiterführung. Von verschiedenen Führungsstilen und -modellen über Verhaltenstypen von Mitarbeitenden und Teamentwicklung war alles dabei, was man wissen muss, um ein Team zu führen.

Zum Schluss gab es von Janna Prager und Ulrike Trenz, Gründerinnen des „Impact Hub Ruhr“, Einblicke und Infos für die eigene Unternehmensgründung. Mit dem „Sustainable Business Model Canvas“ konnten die Teilnehmerinnen in die verschiedenen Bereiche eintauchen, die wichtig sind für ein funktionierendes Geschäftsmodell. Das hilft nicht nur angehenden Gründerinnen, sondern ist auch bei der Entwicklung von neuen Geschäftsbereichen in einem bestehenden Unternehmen sehr hilfreich. Zudem bekamen die Studentinnen Kontakte und Informationen rund um das Thema „Gründen im Ruhrgebiet“ an die Hand. Abschließend wurden Fakten aus der Gründungsgeschichte des „Impact Hub Ruhr“ weitergegeben.

Das Interesse und das Engagement der Teilnehmerinnen spiegelte sich in einer wertschätzenden und lockeren Atmosphäre während des Workshops wider. Besonders die interaktiven Praxisteile und der Erfahrungsaustausch sowohl von den Expertinnen als auch von den Teilnehmerinnen waren förderlich. Gleichzeitig ergab sich ein die Fachbereiche überschreitender Austausch, der auch nach dem Workshop aufrecht erhalten werden soll. (Janna Prager)

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